Frischekick mit Aussicht
Ihnen wird im Sommer schnell zu heiß? Dann ab zur Coolcation nach Norwegen, das mit seinen stillen Landschaften, tiefen Wassern und kühlen Atlantikbrisen erquickt wie eine Dusche nach der Sauna
©Per Eide – VisitNorway.comWasserfälle, Moore und Weite
So wie der Nærøyfjord klingt das ganze Land: wie verzaubert. Als ob Norwegen ein Märchenreich am Ende der Scheibe wäre, entrückt, verwunschen, nicht von dieser Welt. Norwegen hat Stadt- und Ortsnamen wie in einem skandinavischen „Herr der Ringe“, und weil auch die Landschaften um diese Orte herum meist ein bisschen magisch aussehen, kommt man sich schon ein wenig außerweltlich vor in Grindaheim oder Rosendal oder Kyrksæterøra. Meistens aber ist da draußen nichts und niemand. Norwegen hat Wasserfälle und Berghänge in mindestens 47 Grünschattierungen, es hat weißschäumende Gebirgsflüsse und Moore und natürlich Elche. Vor allem aber hat es Weite und Leere und genau den richtigen Grad an Erfrischung, nach dem wir uns in heißen Sommern sehnen. Anders gesagt: Norwegen ist so ziemlich das Beste, was man als Land werden kann.
©Alexander Benjaminsen – VisitNorway.comNATÜRLICH SIND DIE Touristen wie verzaubert. ABER Auch die Norweger selbst lassen sich von der Schönheit ihres LANDES INSPIRIEREN
©Ida Skeie – VisitNorway.comHier kann der Mensch noch werden
Die Norweger lassen sich von diesem Zauber inspirieren. Sie komponieren supercoolen Jazz wie der Trompeter Nils Petter Molvær. Sie entwerfen Möbel, ganz schlicht, ganz sparsam, als ob Zen eine norwegische Philosophierichtung wäre. Auch Norwegens Architekten sind so gepolt und bauen Straßen und Museen und Restaurants wie nicht von dieser Welt, die Atlantic Road bei Kristiansund, das Munch-Museum in Oslo (und die Oper!), das Unterwasserrestaurant „Under“ in Lindesnes. Und Modedesigner schütteln Kollektionen in Naturtönen aus dem Ärmel, die zu schweben scheinen. Irgendetwas muss an Norwegen sein, dass die Menschen so ein Faible für das Schlichte, Gerade, Schöne haben. Vielleicht liegt es daran, dass dieses Land still ist. Und melancholisch. Und eine Einsamkeit ausstrahlt, in der der Mensch noch werden und wachsen kann.
©Mike KelleyWas muss man gesehen haben? Oslo natürlich, die Hauptstadt, mit ihrem Mix aus Tradition und Avantgarde. Die Südküste mit ihren Postkarten-Orten, den weiten, weißen Stränden und den kleinen Yachthäfen. Und den Norden, den auch. Ist man erst über Stavanger hinaus (und Richtung Nordkap unterwegs), verändert sich Norwegen. Dann lässt es den Wind die Hochebenen zausen, mauert Steilwände, lässt Wasserfälle in die Tiefe donnern und türmt Berge in die Höhe. Von jetzt an ist Norwegen anders, ist wild und ungestüm, ist ein Land der Extreme, ist das Land der Fjorde. Von denen gibt es über tausend. Sehr viele hat man für sich allein.
©Fredrik Ahlsen-Visit NorwayDie meisten Norwegenreisen enden in Oslo: mit Seafood-Lunch, Galerie-Besuchen und einem Latte im historischen Grand Café. Später blickt man vom Holmenkollen hoch über der Stadt noch einmal zurück ins Land. Norwegen liegt im Dunst, als sei es eigentlich überhaupt nicht da, und es ist etwas wie Unendlichkeit darin. Man kann sie nicht sehen. Aber wenn man ganz ruhig ist, kann man sie hören.
Stefan Nink

