Person steht auf einem Stand-Up-Paddleboard, paddelt ruhig über einen See; Bergkette und Wolkenhimmel im Hintergrund.© erlebe.bayern/Peter von Felbert
Zwei Männer in Berglandschaft, einer mit Hut und Lederjacke trägt ein großes orangefarbenes Rohr über der Schulter.© Bayern.by-Gert Krautbauer
Zwei Wanderer in grünem Gras wandern vor Bergpanorama mit Wald und See im Hintergrund bei Sonne.© Der Tegernsee/Hansi Heckmair

Im Märchenkönigreich

Prächtige Schlösser, funkelnde Seen und jede Menge lässige Lebensart: Oberbayern verbindet Traumlandschaften mit Tradition – und viel frischem Wind

Eine leichte Brise legt das Wasser des Tegernsees in sanfte Wellen. Segelboote ziehen ihre Spur. Von der Kirche des ehemaligen Benediktinerklosters schlägt es sechs. Gruppen von Wanderern kommen von der Rotwand herunter, und in den Cafés am Ufer sitzen Gäste in edlem Leinen vor Weißweingläsern. Dahinter leuchten die Berge im goldenen Licht des Spätnachmittags. Nur eine knappe Autostunde von München entfernt zeigt Oberbayern an lauen Sommerabenden sein schönstes Gesicht – glanzvoll und bäuerlich, traditionsbewusst und modern zugleich.

Bierfest im Park: Menschen in Dirndl, Mann mit Hut, Pagodenturm im Hintergrund, sonniges Wetter.© Bayern.by-Gert Krautbauer
Für Jung und Alt: Der frühmorgendliche Kocherlball am Münchner Chinaturm

Für viele Menschen ist Oberbayern die deutsche Sehnsuchtsregion Nummer eins. Schon König Ludwig II. war der Region verfallen, speziell ihrem südlichen Teil zwischen München und den Alpen. Hier setzte er in die sanft gewellte, von Seen gesprenkelte Voralpenlandschaft seine prunkvollen Märchenschlösser – Linderhof, Herrenchiemsee und Neuschwanstein (auch wenn letzteres, um genau zu sein, bereits im Allgäu liegt). Die Schlösser zählen heute ebenso zu den umschwärmten Sehenswürdigkeiten der Region wie die prächtigen Barockkirchen mit den Zwiebelhauben, die Dörfer mit ihren Maibäumen und blumengeschmückten Bauernhöfen, die Kühe auf den Wiesen und natürlich die Biergärten, wo sich Menschen unter Kastanien bei Bier und Brezn näherkommen.

Berglandschaft mit hohen Gipfeln, grünem Wald am Ufer eines Sees; ein Schloss am Hang unten links.© Emil/stock.adobe.com
Märchenschloss vor dramatischer Gebirgskulisse: Schloss Neuschwanstein mit dem Alpsee

Doch Oberbayern ist mehr als seine Sitten und Bräuche. Hinter der weiß-blauen Traditionsfassade pocht ein kreatives, innovatives Herz. Das sieht man, das hört man – und das schmeckt man. Zum Beispiel im Restaurant June in Übersee, wo der junge Küchenchef Rico Birndt auftischt, was er unter bayerischer Küche versteht: Kopfsalat mit eingelegten Schnittlauchblüten, Saibling-Sashimi mit Radieschen und zum Nachtisch Sauerampfereis. Dazu sitzt man auf der Terrasse statt unter Geranienbalkons zwischen Hochbeeten, in denen Kräuter und Gemüse selbst gezogen werden. Denn längst ist in oberbayerischen Küchen nicht mehr der Schweinsbraten mit Knödeln das Maß aller Dinge. Stattdessen werden heimische Küchentraditionen mit Fantasie und Produkten aus der Region zu neuen Hochgenüssen verbunden.

Person steht auf einem Stand-Up-Paddleboard, paddelt ruhig über einen See; Bergkette und Wolkenhimmel im Hintergrund.© erlebe.bayern/Peter von Felbert
Sanft verschleierte Gebirgskulisse: Zur Blauen Stunde geht es mit dem SUP auf den Chiemsee

Wenn die Blasmusik ganz modern aufspielt

Ähnliches gilt für die Kultur. In München bespielt diese neben Opernhaus und Kunstareal jetzt auch ein ehemaliges Heizkraftwerk (Bergson Kunstkraftwerk), eine alte Trafohalle (Isarphilharmonie) und den früheren Viehhof (Volkstheater). Auch auf dem Land ist jede Menge los: etwa auf Gut Nantesbuch im schönsten Voralpenland, das als Kulturzentrum Literaturfeste und Konzerte organisiert und zugleich 320 Hektar Land renaturiert. Oder in Eching bei München, wo sich beim Brass-Wiesn-Festival traditionelle Blasmusik mit modernen Rhythmen zum mitreißenden Sound verbindet.

Mann mit Tattoos in einer Werkstatt schaut auf Lederstoffe auf dem Tisch; Holregale im Hintergrund.© erlebe.bayern – Bernhard Huber
Tracht neu gedacht: Lederhosen-Tätowierer Michael Thalhammer
Zwei Wanderer in grünem Gras wandern vor Bergpanorama mit Wald und See im Hintergrund bei Sonne.© Der Tegernsee/Hansi Heckmair
Welt, sei umschlungen! Eine Wanderung über dem Tegernsee macht beste Laune
Prunkvoller Palastkorridor mit goldenen Säulen, Kristallleuchtern und bemalter Decke.© erlebe.bayern/Peter von Felbert
Versailles auf bayerische Art: Spiegelsaal im Schloss Herrenchiemsee
Zwei Männer in Berglandschaft, einer mit Hut und Lederjacke trägt ein großes orangefarbenes Rohr über der Schulter.© Bayern.by-Gert Krautbauer
Original und originell – Alphörner und Tracht gehören bis heute zur oberbayerischen Kultur

Tätowierte Lederhosen zum Surf-Shirt

Auch in Sauerlach bei Holzkirchen kommt die Tradition frisch und kreativ daher: Dort arbeitet Michael Thalhammer mit Lederhosen, dem traditionellen Beinkleid eines echten bayerischen Mannsbilds. Die aus gegerbtem Hirschleder genähten Hosen „tätowiert“ Thalhammer, indem er unterschiedlichste Motive hineinbrennt. Klassisches wie Jagdszenen oder bayerische Löwen, aber auch Vespas oder den hinduistischen Gott Ganesha. Zur Vervollständigung des innovativ-bayerischen Looks empfiehlt Thalhammer die T-Shirts seiner Kollektion „Aloha Bavaria“, die etwa das Münchner Kindl unter einer Palme zeigen. „Bavarian Surfstyle“ nennt das der Kreative, der eigentlich Sozialpädagoge ist. Das mit dem Surfen ist gar nicht so weit hergeholt: Im Englischen Garten in München reiten seit vielen Jahren Surfer in Neopren auf einer künstlichen Stromschnelle, der Eisbachwelle. Zur großen Freude der Passanten.
Annette Rübesamen und Nina Zeller

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