Im Märchenkönigreich
Prächtige Schlösser, funkelnde Seen und jede Menge lässige Lebensart: Oberbayern verbindet Traumlandschaften mit Tradition – und viel frischem Wind
© Bayern.by-Gert KrautbauerFür viele Menschen ist Oberbayern die deutsche Sehnsuchtsregion Nummer eins. Schon König Ludwig II. war der Region verfallen, speziell ihrem südlichen Teil zwischen München und den Alpen. Hier setzte er in die sanft gewellte, von Seen gesprenkelte Voralpenlandschaft seine prunkvollen Märchenschlösser – Linderhof, Herrenchiemsee und Neuschwanstein (auch wenn letzteres, um genau zu sein, bereits im Allgäu liegt). Die Schlösser zählen heute ebenso zu den umschwärmten Sehenswürdigkeiten der Region wie die prächtigen Barockkirchen mit den Zwiebelhauben, die Dörfer mit ihren Maibäumen und blumengeschmückten Bauernhöfen, die Kühe auf den Wiesen und natürlich die Biergärten, wo sich Menschen unter Kastanien bei Bier und Brezn näherkommen.
© Emil/stock.adobe.comDoch Oberbayern ist mehr als seine Sitten und Bräuche. Hinter der weiß-blauen Traditionsfassade pocht ein kreatives, innovatives Herz. Das sieht man, das hört man – und das schmeckt man. Zum Beispiel im Restaurant June in Übersee, wo der junge Küchenchef Rico Birndt auftischt, was er unter bayerischer Küche versteht: Kopfsalat mit eingelegten Schnittlauchblüten, Saibling-Sashimi mit Radieschen und zum Nachtisch Sauerampfereis. Dazu sitzt man auf der Terrasse statt unter Geranienbalkons zwischen Hochbeeten, in denen Kräuter und Gemüse selbst gezogen werden. Denn längst ist in oberbayerischen Küchen nicht mehr der Schweinsbraten mit Knödeln das Maß aller Dinge. Stattdessen werden heimische Küchentraditionen mit Fantasie und Produkten aus der Region zu neuen Hochgenüssen verbunden.
© erlebe.bayern/Peter von FelbertWenn die Blasmusik ganz modern aufspielt
Ähnliches gilt für die Kultur. In München bespielt diese neben Opernhaus und Kunstareal jetzt auch ein ehemaliges Heizkraftwerk (Bergson Kunstkraftwerk), eine alte Trafohalle (Isarphilharmonie) und den früheren Viehhof (Volkstheater). Auch auf dem Land ist jede Menge los: etwa auf Gut Nantesbuch im schönsten Voralpenland, das als Kulturzentrum Literaturfeste und Konzerte organisiert und zugleich 320 Hektar Land renaturiert. Oder in Eching bei München, wo sich beim Brass-Wiesn-Festival traditionelle Blasmusik mit modernen Rhythmen zum mitreißenden Sound verbindet.
Tätowierte Lederhosen zum Surf-Shirt
Auch in Sauerlach bei Holzkirchen kommt die Tradition frisch und kreativ daher: Dort arbeitet Michael Thalhammer mit Lederhosen, dem traditionellen Beinkleid eines echten bayerischen Mannsbilds. Die aus gegerbtem Hirschleder genähten Hosen „tätowiert“ Thalhammer, indem er unterschiedlichste Motive hineinbrennt. Klassisches wie Jagdszenen oder bayerische Löwen, aber auch Vespas oder den hinduistischen Gott Ganesha. Zur Vervollständigung des innovativ-bayerischen Looks empfiehlt Thalhammer die T-Shirts seiner Kollektion „Aloha Bavaria“, die etwa das Münchner Kindl unter einer Palme zeigen. „Bavarian Surfstyle“ nennt das der Kreative, der eigentlich Sozialpädagoge ist. Das mit dem Surfen ist gar nicht so weit hergeholt: Im Englischen Garten in München reiten seit vielen Jahren Surfer in Neopren auf einer künstlichen Stromschnelle, der Eisbachwelle. Zur großen Freude der Passanten.
Annette Rübesamen und Nina Zeller










