@marionbutetstudio

Ins Blaue träumen


Elegant geschwungen, von Schönheit gesäumt, von Lebensart
durchdrungen und Setting für die nächste Staffel von „White Lotus“: Cruisen Sie mit uns an derCôte d’Azur entlang, der schönsten aller französischen Küsten

La Mer“ passt als Soundtrack natürlich wunderbar, am besten in der Originalfassung von Charles Trenet. Das Piano perlt, die Violinen jubilieren, und wenn sich dann das Rauschen der Brandung neben der Straße unter die Zeilen legt und die Wellen tatsächlich zu tanzen scheinen („La mer qu′on voit danser“!) – dann weiß man: Das mit dem Cabrio war die beste Idee. Wo in Europa würde es auch mehr Sinn ergeben, sich ein Auto ohne Verdeck zu mieten, als in Nizza? Und wo könnte eine Reise entlang der schönsten aller französischen Küsten passender beginnen als in der schönsten aller französischen Hafenstädte? 

Frühmorgens kommt Nizza nur allmählich in Schwung, doucement, doucement, erst mal einen Café au Lait und ein Croissant. Noch ist kaum jemand unterwegs. An der Kathedrale hocken die Tauben aufgeplustert auf den Simsen, selbst das Meer scheint noch zu dösen, darüber hat der Himmel bereits jetzt diese Farbe, die der Côte d’Azur ihren Namen gegeben hat. Das Le Plongeoir – einst Sprungturm, jetzt Restaurant – reckt sich hinaus ins Blau, als wolle es schon mal austesten, wie warm das Wasser heute werden wird. Einen Schlenker noch um das Hafenbecken herum, und die Welt steht einem offen. Von hier bis nach Saint-Tropez sind es gut hundert Küstenstraßenkilometer. Ignoranten fahren die in zwei, drei Stunden. Kenner brauchen zwei oder drei Wochen. Und Genießer?

proslgn – stock.adobe.com
Schön aufgeräumt: Yachthafen und Altstadt von Saint-Tropez aus der Möwenperspektive

überall lässiges laisser-faire, das aus einem kaffee zwei macht und aus fünf minuten eine halbe stunde

Chovelon.L
Wo Millliardäre Anker werfen: An der Hafenpromenade von Saint-Tropez reihen sich die Luxusyachten aneinander

entspannt war man hier  schon immer

Dabei beherrscht die Côte bloß einen simplen Trick: Sie zeigt sofort, warum alle herkommen. Überall Meer, Panoramen, Buchten, dazwischen Ortschaften, die das Thema „Leben mit Aussicht“ souverän beherrschen. Und überall dieses lässige Laisser-faire, das aus einem Kaffee zwei macht und aus fünf Minuten eine halbe Stunde. Kein Wunder, dass die Menschen hier schon immer entspannter waren als anderswo. Und die Küste schon früh von Reisenden entdeckt wurde, die sich das Leben hier leisten konnten. 

Remi Morel-unsplash
Lässiger Schick: An der Côte knattern viele Vespas
Moritz – stock.adobe.com; petroos – stock.adobe.com
Lässig de luxe: Der Club 55 am legendären Strand von Pampelonne. Liebevoll gestaltet bis zum kleinsten Blumentopf: Bergdorf Ramatuelle

Die ersten Gäste rückten in den 1830er-Jahren an – Adlige aus Russland, Deutschland und England kamen im Winter auf der Flucht vor dem Wetter zu Hause. Dann folgten die wohlhabenden Pariser, und nach und nach dann auch alle anderen. Die Fitzgerald-Hemingway-Maugham-Generation, die Jazzmusiker, die Leinwandstars. Cannes bekam sein Filmfestival, Saint-Tropez seine ersten Skandale, Russlands Geldadel Grundstücke für Villen am Cap Ferrat. Und wo ein paar Jahrzehnte zuvor betagte Adlige ihre Wehwehchen kuriert hatten, zeigten bald die Jungen und Schönen Haut. Viel Haut. Manchmal auch sämtliche.

Chovelon.L; rochagneux – stock.adobe.com
Glasklares Urlaubsglück: Schnorcheln bei Saint-Tropez. Sehnsuchtsort: Die Calanque d‘En-Vau könnte fast als norwegischer Fjord durchgehen. Wenn die duftende Macchia nicht wäre …

Das Meer? Ist immer da. Immer Azurfarben, immer glitzernd, eine einzige Versuchung

Oksana – stock.adobe.com
Frische Austern und ein Glas Champagner sind ein beliebter Genuss an der Côte d’Azur – ein Klassiker zur stilvollen Stärkung

Das Meer? Ist immer da, ist immer blau

An der Küste entlang geht es nach Cannes. Yachten mit eigenem Helikopter, Strandbars, Leinen, Sonnenhüte und Espadrilles, die nur scheinen, als wären sie zufällig gewählt. Angeblich gibt es an keinem anderen Ort Frankreichs derart viel perfekt inszenierte Schönheit wie an der Croisette. Wahrscheinlich gibt es auch keinen, an dem bereits mittags derartige Mengen Champagner und Austern geordert werden. 

Théoule-sur-Mer glänzt in der Morgensonne wie frisch gewaschen. Saint-Raphaël gibt sich verschlossen und löst im Cabrio Fragen aus, die hier öfter in der Luft liegen: Wer wohnt hinter diesen Mauern? Und sind die Leute so glücklich, wie sie sollten in dieser Luft und diesem Licht? La Nartelle hängt am Hang und bietet Aussicht. Das Meer? Ist immer da. Und immer azurfarben. 

Weiter nach Westen. Kurven im Gegenlicht, Badestopps mit 67 Fotos von 67 Segelbooten, ein Souvenir vom Flohmarkt in Grimaud. Saint-Tropez am Abend ist dann exakt so, wie man es sich immer vorgestellt hat. In den Gassen hängt das späte Licht wie Staub in der Luft. Vor den Bistros kann man zusehen, wie sie von ihren Yachten in die Stadt kommen, die Schönen, die Strahlenden. Unten am Hafen glitzert das Wasser, im Wind schlagen die Metallbeschläge der Takelage leise gegen die Masten. Als erinnerten sie sich an ein altes Lied. Als klopften sie den Takt zu „La Mer“.
Stefan Nink

Unsere Hotelempfehlungen

Diesen Artikel teilen