Filmreif reisen


Ob Sie die Drehorte des neuesten Hollywood-Erfolgs sehen oder sich Ihren Lieblingsschauspielern nahe fühlen wollen – Movie-Jetsetting  ist der Reisetrend des Moments. Auf nach New York … und an die Riviera!

Forsch eilt Meryl Streep als Miranda Priestly aus dem McGraw-Building in Midtown Manhattan. Während die „Runway“-Chefredakteurin in ihre Limousine steigt, wirft sie einen verächtlichen Schulterblick auf die ihr hinterhereilende Assistentin Andrea (Anne Hathaway) und … cut! Die Szene für „Der Teufel trägt Prada 2“ ist im Kasten. Morgen wird in der Art-déco-Atmosphäre der Long Island Bar in Brooklyn gedreht, danach stehen Soho und Chelsea auf dem Drehplan. Ganz dicht dran an jedem Take: Location-Spotter. Diese neue Gattung von Dienstleistern versorgt die Concierges der Luxushotels und exklusive Reiseveranstalter mit Informationen über jeden Schritt der Diven, damit deren Gäste später das Original-Miranda-Steak schnabulieren oder einen Tisch in der Promi-Tränke Le Café Louis Vuitton (meiner persönlichen Lieblingslocation) ergattern können. Movie-Jetsetting heißt das Ganze. Oder schnöder formuliert: Film-Tourismus. Ein Travel-Trend, der mit „Herr der Ringe“ seinen Anfang nahm, dessen Fans nach Neuseeland wallfahrten, und der Reisende in die Hauptdarsteller ihres eigenen Films verwandelt. Mir stellt sich dabei die Frage: Sehnen wir uns wirklich nach dem Schauplatz eines Films – oder vielmehr nach einer filmreifen Version unserer selbst?

Während New York schon bestens für den Prada-Filmstart im Frühling gerüstet ist, bereitet Frankreich sein eigenes Revival vor. „The White Lotus“ schlägt seine Luxuszelte diesmal an der Riviera auf. Gut Informierte verrieten mir, dass das Grand Hôtel du Cap-Ferrat der Four-Seasons-Gruppe der heimliche Star der vierten Staffel der HBO-Serie sein wird. Wer auf den Spuren der illustren Gästeschar der Dramedy flanieren will, benötigt im Grand Hôtel du Cap-Ferrat künftig nur noch ein Glas Rosé, eine übergroße Sonnenbrille und ein leicht gelangweiltes Lächeln auf den Lippen. Schwups, fühlen auch wir uns wie ein mondäner Charakter der kommenden Staffel. Und ist es nicht genau das, worum es beim Movie-Jetsetting geht? Um die perfekte Illusion! Das neue Lebensgefühl!  Nicht Sehenswürdigkeiten wollen wir, sondern Szenen. Momente. Schmeichelndes Licht und glitzernde Drinks. Kurz, Augenblicke, in denen wir endlich mal die Hauptrolle spielen. Ich würde sagen: filmreif, das Ganze!

Annina Bauer
Über die Autorin

ist Journalistin und liebt exklusives Reisen. Ob elegante Kreuzfahrten, ikonische Luxushotels oder außergewöhnliche Retreats – die gebürtige Hamburgerin ist überall dort zu Hause, wo erlesene Reisekultur und schicke Travel- Trends geprägt werden



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