Rendezvous in Ruanda

Das ostafrikanische Land ist der beste Ort, um Gorillas in freier Wildbahn zu erleben. Aber auch die „Big Five“ gewähren gerne eine Privataudienz …

Sechs schlafende Riesen ragen am Horizont in den Himmel: Bisoke, Karisimbi und Mikeno auf der einen, Sabyinyo, Muhabura und Gahinga auf der anderen Seite. Die Vulkankegel des Virunga-Gebirges sind bis zu 4.500 Meter hoch. Davor leuchtet eine Ebene mit sattgrünen Feldern und der Dschungel des Volcanoes-Nationalparks. Afrika wie aus dem Hollywoodfilm. Und wir haben einen Logenplatz, denn die fast surreal schöne Aussicht liegt direkt vor unserer Terrasse in der Bisate Reserve. Die neue Lodge von Wilderness ist die Königin unter Ruandas Luxusunterkünften – mit nur vier großen Suiten, die wie Waben an einem Hang kleben. Umweltfreundlich, sozial und ultraexklusiv zugleich. Wir haben den Blick bereits bei einem Glas Champagner im Hot-Tub genossen und schon mal hinübergewunken in den Nationalpark, wo am nächsten Tag das große Abenteuer beginnt. Die Begegnung mit Ruandas Superstars – den Berggorillas.

Durch blumenwiesen in den Urwald

Dass man die Tiere in der Natur erleben kann, grenzt an ein kleines Wunder: Noch in den 1970er-Jahren kämpfte die amerikanische Zoologin Dian Fossey im Dreiländereck Ruanda, Demokratische Republik Kongo und Uganda um das Überleben der letzten 250 Gorillas. Dank strenger Schutzmaßnahmen sind es nun wieder mehr als 1.000 Exemplare, die sich allerdings, wie andere Berühmtheiten auch, gern vor der Öffentlichkeit verstecken. Doch wir haben Glück! Die Park-Ranger teilen uns die „Amahoro“-Familie zu – besonders friedfertig und nicht so arg weit entfernt. Durch lila blühende Kartoffelfelder und Wiesen voller Margeriten geht es zu einem verfallenen Mäuerchen. Es ist das Tor zum Urwald, der uns sofort verschluckt. 

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Auch Goldmeer- katzen schauen auf dem Gelände der Bisate Reserve vorbei
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Über sanfte Hänge und Blumenwiesen geht es in den Nationalpark – und zu den bis zu 4.500 Meter hohen Vulkanen
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Dürfen besucht werden: Die Berggorillas im Dschungel des Volcanoes-Nationalpark Ruanda


Nur zwölf Gruppen à acht Personen pro Tag dürfen für 1.500 Dollar den Park betreten und eine Stunde lang bei „ihrer“ Familie bleiben. Das soll sicherstellen, dass weder Tiere noch Umwelt leiden und trotzdem Geld ins Land kommt. Ein Teil davon fließt in den Naturschutz, aber auch in die umliegenden Gemeinden, deren Mitglieder oft als Tracker und Guides arbeiten und Touristen wie uns mit Wissen und Macheten zur Seite stehen.

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Logenplatz: Der Ausblick von der Bisate Reserve Lodge ist großes Naturkino
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Prämiertes Luxusdesign: Bisate Reserve Suite mit Kamin und Weinschrank
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Die Architektur der neuen Wilderness Lodge Bisate Reserve ist den traditionellen ruandischen Königshäusern nachempfunden

trekking mit gorillababy


Das ist nötig – der Wald fühlt sich an wie ein lebendiges Wesen. Dornenzweige zerren an uns, riesige Wurzeln versperren den Weg. Dann endlich: ein Knacken. Im Blätterwald taucht eine zerzauste Strubbelfrisur auf, darunter schwarze Kulleraugen. Das Gorillababy inspiziert uns neugierig und wird von uns mit glücklichen Ohs und Ahs begrüßt. Dabei sollen wir doch leise sein. Und sieben Meter Abstand halten. Dem gigantischen Silberrücken, der kurz darauf direkt neben uns von einem Baum steigt, hat das offensichtlich niemand gesagt. Wir halten die Luft an. 195 Kilo Muskelmasse lassen nichts Gutes ahnen für den Fall, dass wir ihm unsympathisch sind. Doch er gesellt sich nur schnaufend zu seinen Familienmitgliedern. Eine Stunde lang dürfen wir andächtig zusehen, wie sie ihrem Gorillaleben nachgehen. Blätter pflücken, kauen, kuscheln. Uns ignorieren sie höflich. 

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Der Nachwuchs trägt Punkfrisur, die Mutter hat es lieber ordentlich: Berggorillas unter sich

Wir gehen dann ja auch bald wieder. Aber unsere Reise ist noch nicht vorbei. Es gibt so viel zu entdecken in diesem Land, dessen Bewohner sich nach dem Bürgerkrieg vor 30 Jahren ausgesöhnt und ihre Heimat in eine Art afrikanische Schweiz verwandelt haben: Die Wirtschaft wächst, Schulen sind kostenlos und die Straßen sauberer als jede deutsche Großstadt. Einmal im Monat trifft sich ganz Ruanda zu „Umuganda“, zum gemeinsamen Aufräumen. 

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Das Magashi Peninsula liegt auf einer unberührten Halbinsel im Rwanyakazinga-See

Im WildernEss Magashi Peninsula gibt’s zum Morgenkaffee den Blick auf Nilpferde und Krokodile

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Gehören zu den Big Five: Elefant im Akagera-Nationalpark
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Schlafen mitten in der Natur: Wilderness Magashi Peninsula
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Keiner der „Big Five“, aber ein Hingucker: Der Papyruswürger

Im Akagera-Nationalpark im Osten des Landes wäre das unnötig. Die Savannen und Feuchtgebiete des Schutzgebiets sind ein unberührtes Naturparadies. Vor allem in der privaten Konzession des luxuriösen Wilderness Magashi Peninsula am Ufer des Rwanyakazinga-Sees begegnet man kaum Touristen – dafür aber mit etwas Glück den „Big Five“ und anderen Tieren, die zu Hunderten wieder angesiedelt wurden. Schon beim Morgenkaffee haben wir Nilpferde und Krokodile im Blick. Weitere Wildnis-Bewohner gewähren uns bei der Pirschfahrt eine Privataudienz: vier Löwen, die rechts und links an unserem Jeep vorbeischlendern, eine Horde Paviane, fünf Giraffen, eine Zebraherde und drei Breitmaulnashörner, die sich vor uns auf der Straße niederlassen. Was wir nicht gesehen haben? Einen anderen Jeep. So soll es sein. Willkommen in Ruanda, dem heimlichen Star Ostafrikas!
Barbara Stummer

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